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Psychologische Hilfe im Notfall: Diese Anlaufstellen solltest Du kennen

  • Autorenbild: Xenia Gerresheim
    Xenia Gerresheim
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Psychische Krisen halten sich selten an Öffnungszeiten. Und sie kündigen sich nicht immer so deutlich an, dass sofort klar ist: Jetzt brauche ich Unterstützung.


Vielleicht merkst Du nur, dass Deine Gedanken immer enger werden. Dass Du nicht mehr zur Ruhe kommst. Dass Du Dich zurückziehst, kaum noch schläfst oder das Gefühl hast, den Alltag nicht mehr bewältigen zu können.

Vielleicht machst Du Dir auch Sorgen um einen Menschen in Deinem Umfeld und weißt nicht, an wen Du Dich wenden kannst.


In solchen Momenten ist es schwer, Telefonnummern zu recherchieren, Zuständigkeiten zu klären und verschiedene Angebote zu vergleichen. Deshalb hilft es, die wichtigsten Anlaufstellen zu kennen und die passenden Kontakte für die eigene Region frühzeitig zusammenzustellen.


Hier zunächst kompakt, was du detailliert im Artikel findest:



Wenn unmittelbare Gefahr besteht

Wenn Du befürchtest, dass jemand sich selbst oder einem anderen Menschen etwas antun könnte, oder wenn eine akute psychologische oder medizinische Gefahr besteht,


wähle ohne zu zögern den Notruf 112


Du kannst Dich auch direkt an die Notaufnahme beziehungsweise psychiatrische Notaufnahme der nächstgelegenen Klinik wenden.


Wenn möglich, bleibe in einer akuten Krise nicht allein.

Bitte eine vertraute Person, bei Dir zu bleiben oder Dich zu begleiten.

Auch wenn Du unsicher bist, ob die Situation „schlimm genug“ ist: Hole Dir Unterstützung. Du musst eine Krise nicht erst eindeutig einordnen können, bevor Du Hilfe in Anspruch nehmen darfst.


Schnelle Hilfe, wenn die Hausarztpraxis geschlossen ist


Unter 116117 erreichst Du den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Die Nummer ist für dringende gesundheitliche Beschwerden gedacht, die nicht bis zur nächsten regulären Sprechstunde warten können, aber kein lebensbedrohlicher Notfall sind.


Über die 116117 erhältst Du außerdem Unterstützung bei der Suche nach ärztlichen und auch psychotherapeutischen Praxen sowie bei der Vermittlung einer psychotherapeutischen Sprechstunde.


Dafür ist keine Überweisung erforderlich.





Wenn Du jetzt jemanden zum Reden brauchst

Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, anonym und kostenfrei erreichbar:

0800 111 0 111

0800 111 0 222

116 123






Regionale Krisendienste und Sozialpsychiatrische Dienste

Viele Städte und Landkreise verfügen über eigene Krisendienste, Krisentelefone oder sozialpsychiatrische Dienste. Sie beraten Menschen mit psychischen Belastungen und häufig auch Angehörige.


Welche Angebote bestehen, ist regional unterschiedlich. Suche deshalb am besten nicht erst in einer akuten Situation nach:


  • „Psychiatrischer Krisendienst + Wohnort“

  • „Sozialpsychiatrischer Dienst + Landkreis“

  • „Psychiatrische Notaufnahme + Wohnort“


Trage die passenden Kontaktdaten anschließend in Deinen persönlichen Hilfeplan ein (zum Download unten angehängt).


Hausärztliche, psychiatrische und psychotherapeutische Hilfe

Die hausärztliche Praxis kann eine erste professionelle Anlaufstelle sein. Dort können Beschwerden medizinisch eingeordnet, körperliche Ursachen abgeklärt und weitere Behandlungsschritte eingeleitet werden.




Wichtig ist die Unterscheidung: Psychologische Beratung und Coaching können präventiv unterstützen, stabilisieren und bei der Klärung von Belastungen helfen. Bei einer psychischen Erkrankung oder akuten Krise ersetzen sie jedoch keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.


Unterstützung für Angehörige und nahestehende Menschen

Psychische Krisen betreffen selten nur eine Person. Angehörige, Freundinnen, Freunde und Kolleginnen oder Kollegen erleben häufig Unsicherheit, Hilflosigkeit und eine hohe emotionale Belastung.


Das SeeleFon des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen bietet Beratung für Angehörige und Betroffene:

0228 7100 2424



Onlineberatung, wenn der direkte Weg noch zu groß erscheint

Manchmal fühlt sich ein Telefonat oder ein persönlicher Termin zunächst zu schwierig an. Dann kann eine seriöse Onlineberatung den Zugang erleichtern.

Sie ist jedoch keine Anlaufstelle für unmittelbar lebensbedrohliche Situationen.


Selbsthilfegruppen und Erfahrungsaustausch

Der Kontakt zu Menschen mit ähnlichen Erfahrungen kann entlasten. Selbsthilfe ersetzt keine notwendige Behandlung, kann diese aber sinnvoll ergänzen.




Digitale Anwendungen (DiGA) und Apps

Digitale Angebote können Wissen vermitteln, Übungen bereitstellen und die Zeit zwischen Terminen unterstützen. Entscheidend ist, genau hinzusehen: Nicht jede Gesundheits-App ist wissenschaftlich geprüft, datenschutzrechtlich unbedenklich oder für jede Situation geeignet.


Digitale Gesundheitsanwendungen, sogenannte DiGA, die ein Prüfverfahren durchlaufen haben, werden im Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte geführt. Ärztinnen, Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können geeignete Anwendungen verordnen.



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COGITO bietet kostenfreie, werbefreie Selbsthilfeübungen für verschiedene psychische Probleme.





Auch hier gilt:

Eine App kann unterstützen. In einer akuten Krise ersetzt sie keinen persönlichen Kontakt und keine professionelle Notfallhilfe.


Psychologische Hilfe im Unternehmen

Auch Unternehmen sollten psychologische Hilfe nicht dem Zufall überlassen. Beschäftigte müssen wissen, an wen sie sich bei einer akuten Belastung wenden können.

Dazu können gehören:


  • der betriebsärztliche Dienst,

  • eine interne oder externe psychologische Beratung,

  • ein Employee Assistance Program, kurz EAP,

  • ausgebildete MHFA-Ersthelfende,

  • die Mitarbeitervertretung oder der Personalrat,

  • interne Vertrauenspersonen,

  • regionale Krisendienste und Notfallnummern.


Eine übersichtliche Hilfeseite im Intranet reicht allein nicht immer aus. Die Informationen sollten leicht auffindbar, verständlich formuliert und auch außerhalb der betrieblichen Systeme verfügbar sein.


Wichtig ist außerdem: MHFA-Ersthelfende, Führungskräfte und Kolleginnen oder Kollegen übernehmen keine Diagnostik oder Therapie. Ihre Aufgabe besteht darin, Veränderungen wahrzunehmen, ein Gespräch anzubieten, angemessen zu reagieren und den Weg zu professioneller Hilfe zu erleichtern.


Warum ein persönlicher Hilfeplan sinnvoll ist

Unter Belastung verändert sich unser Denken. Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und Entscheidungsfähigkeit können eingeschränkt sein. Was im ruhigen Zustand einfach erscheint, kann in einer Krise kaum noch zu bewältigen sein.

Ein vorbereiteter Hilfeplan nimmt Dir deshalb Entscheidungen ab. Er enthält nicht nur bundesweite Nummern, sondern genau die Kontakte, die für Dich, Deine Region und Dein Arbeitsumfeld relevant sind.


Dazu gehören beispielsweise:


  • die nächste psychiatrische Notaufnahme,

  • der regionale Krisendienst,

  • Deine hausärztliche und psychotherapeutische Praxis,

  • persönliche Vertrauenspersonen,

  • der betriebsärztliche Dienst,

  • interne psychologische Beratungsangebote,

  • eine Selbsthilfegruppe,

  • individuelle Warnzeichen und stabilisierende Maßnahmen,

  • Menschen, Tiere oder Aufgaben, um die sich im Ernstfall jemand kümmern sollte.


Fülle den Plan möglichst in einer stabilen Phase aus. Prüfe ihn regelmäßig und bewahre ihn dort auf, wo Du ihn schnell findest, digital auf dem Smartphone, ausgedruckt zu Hause oder am Arbeitsplatz.

Unternehmen können eine neutrale Fassung zentral zur Verfügung stellen. Ausgefüllte persönliche Pläne bleiben selbstverständlich bei den jeweiligen Beschäftigten und sollten nicht eingesammelt werden.


Hilfe vorzubereiten bedeutet nicht, mit einer Krise zu rechnen. Es bedeutet, in einer schwierigen Situation nicht erst nach dem nächsten Schritt suchen zu müssen.


Persönlichen Hilfeplan herunterladen

Wir haben dafür ein mental me-Template vorbereitet. Es kann individuell ausgefüllt, digital gespeichert oder ausgedruckt werden:



Hinweis: Die genannten Informationen ersetzen keine medizinische Diagnostik, Behandlung oder akute Krisenhilfe. Da sich Kontaktdaten und regionale Angebote ändern können, sollten sie regelmäßig überprüft werden.

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